Hier im Silicon Valley zu sein hat mich zu diesem Artikel über Disruption inspiriert:

In der Nibelungensage badet Siegfried im Drachenblut, nachdem er den Drachen erlegt hat. Dieses Blut machte ihn unverwundbar, allerdings ist ihn beim Baden ein Lindenblatt zwischen die Schulterblätter gefallen. Diesen einzigen Schwachpunkt machten sich seine Gegner zu Nutze. Sie luden Siegfried zur Jagd ein und Hagen von Tronje tötete Siegfried, indem er ihm eine Lanze durch die Schulterblätter stach.

Genau solche verwundbaren Stellen suchen sich die Start Ups im Silicon Valley, um etablierten Unternehmen an den Kragen zu gehen. Man nimmt ein vorhandenes Gewerbe, optimiert, vereinfacht und vergünstigt es und krempelt so den Markt um, was Disruption genannt wird. So macht sich Uber die völlig absurden Taxipreise zu Nutze. Airbnb wirbelt den Hotelmarkt auf, dessen Preise schon lange viel zu hoch und inakzeptabel sind. Ein weiteres Beispiel ist Netflix. Videotheken gehören der Vergangenheit an und sind fast nur noch in den Hinterhöfen von Tankstellen zu finden. Netflix hat sie ersetzt und dabei nicht einmal auf neue Verfahren zurückgegriffen. Aber Netflix ist schneller, einfacher (man spart sich den Weg) und vor allem günstiger. Wer solche Firmen früh findet und in sie investiert, darf sich freuen, denn wenn das Gift der Dispruption (erinnert ein wenig an den KGB, der über eine Spritze in einem Spazierstock Leute vergiftet hat, was diese erst mal gar nicht bemerkten) die Großkonzerne erreicht hat, gibt es kein Zurück mehr. Oft werden solche disruptiven Firmen Einhörner genannt, denn alle suchen sie, aber man findet nur wenig echte in der freien Wildbahn des Aktienmarktes. Viele Firmen haben kein gutes Konzept und kommen und gehen so schnell wie die Romanfigur Zorro. Ein wirklich gutes Konzept hat meiner Meinung nach jet.com, denn die Seite bietet mehr als 1 Millionen Produkte zum Tiefpreis an. Dabei macht sie sich die beschissene Portopolitik von Amazon zu Nutze. Drittanbieter bei Amazon müssen immer 3€ Porto nehmen, sodass sich der Kauf kleiner Produkte über Drittanbieter bei Amazon nicht lohnt. Leider kann der Bulle der Wallstreet dieses Einhorn bisher nicht direkt fangen, denn Walmart hat Jet.com gerade übernommen. Aber er wird andere Einhörner beobachten und zuschlagen.